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Konzertkritik zum Osterkonzert 2011 PDF Print E-mail

"Passauer Neue Presse" vom 26. April 2011:

Die Liebe siegt, das Leben geht weiter

Ein Freudenfest: Osterkonzert des Landestheaters Niederbayern in der Passauer Heilig-Geist-Kirche

Es ist eher unüblich, nach einem gelungenen Gesangskonzert ausgerechnet die stummen Mitwirkenden zuerst zu nennen, in diesem Fall aber eine Ausnahme wert. Denn neben dem glänzend aufgelegten Juvenis-Chor, den Solisten und der Niederbayerischen Philharmonie hat sich beim Osterkonzert des Landestheaters „Gloria in excelsis“ am Sonntag vor allem eine empfohlen: Die Passauer Heilig-Geist-Kirche, die in diesen Wochen ihre Auferstehung als Veranstaltungsstätte feiert.
Die Hörsamkeit dieses Kirchenraums ist Genuss pur: transparenter Klang fürs Ohr, fein umfangender Nachhall für Seele und Gänsehaut.
Generalmusikdirektor Basil H. E. Coleman weiß diese Vorzüge trefflich zur barocken Prachtentfaltung zu nutzen und präsentiert mit Antonio Vivaldis „Gloria“ und dem „Te Deum“ von Marc-Antoine Charpentier zweimal Gotteslob in knackigen Tempi und respektvoll entstaubter Gestaltung. Das beseelt agierende Orchester überzieht den bis zu den hintersten Stehplätzen gefüllten Raum mit Feierlichkeit. Hier wird ein Fest gegeben für das Schönste, was es gibt: das Leben und die Liebe. Beim „Gloria“ dominiert dabei sprühende Freude, im „Te Deum“ prunkvolle Gemessenheit. Die zart-schmerzlichen Anklänge („Et in terra pax“, „Te ergo quaesumus“) und die Momente still-verwunderter Demut („Agnus Dei“, „Fiat misericordia“), aus denen manch heitere Passage besonderen Glanz bezieht, treten in der Konsequenz in den Hintergrund.
Bei den Solisten scheint sich nicht jeder mit der barocken Herausforderung wohlzufühlen. Melanie Schneider, deren leichter, wärmender Sopran eigentlich sehr gut in den Stil passt, Anna Jani-szewski (Alt) und Jeffrey Nardone (Tenor) lassen eine angestrengte Konzentration auf die Verzierungspraxis spüren, die ihre Parts letztlich exakt, aber sehr technisch wirken lässt. Große Strahlkraft entwickeln hingegen Eva-
Maria Kumpfmüller (Sopran) und Kyung Chun Kim (Bariton) aus der Souveränität heraus, ihre Opernstimmen gar nicht erst in ein Korsett zu zwingen, sondern jede Phrase umso mehr die eigentümliche Leidenschaft und die geradlinige Eleganz der Musik atmen zu lassen.
Übertroffen werden sie nur noch vom Chor, der seine Sonderstellung in der Region mit einer großartigen Leistung unterstreicht: Brillant die emporstrebenden Hymnen, die Fugen picobello, der Ausdruck bewegt und authentisch herzlich. Wo es so klingt, kann man nicht nur glauben, dass die Liebe siegen und das Leben immer wieder weitergehen kann. Man muss es.
(Katrina Jordan)